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Geschichte - Gründungszeit


Unser Gründungs- und Ehrenmitglied Adolf Bachmann () berichtet aus der Erinnerung (schriftliche Unterlagen sind nicht mehr vorhanden) wie der TSV Heimbuchenthal aus der Taufe gehoben wurde.


 

Es war gegen Ende der 20er Jahre, als der Sport, insbesondere das Fußballspielen, auch in unseren Ort Eingang fand. Überall auf den Höfen und auf den Straßen (der damals noch sehr geringe Verkehr erlaubte dies) war die Jugend am Kicken. Die Ortsstraße war noch nicht geteert, nur mit Eiergroßen Basaltsteinen befestigt, die natürlich auch häufig lose herumlagen. So mancher Junge kickte einen Stein von der Schule nach Hause, sehr zum Leidwesen der Mütter, denn die Schuhe hielten dieser Beanspruchung nicht lange stand. Bälle waren Mangelware; alles was rund war wurde gekickt, selbst die kleinsten Kinderbälle. Das Geld war zu knapp, um echte Fußbälle zu kaufen, so dass mancher Junge alte Lappen zu einem Kneuel zusammenschnürte und mit diesem "Ballersatz" Fußball spielte.

Allmählich formte sich eine Mannschaft von 17- bis 18-jährigen Spielern und es wurden erste Spiele improvisiert, besonders gegen Mespelbrunn, das damals im gleichen Aufbau begriffen war. Als Spielplatz diente die Gemeindewiese, auf der heute eine Kleiderfabrik steht. Dieser Platz war natürlich viel zu klein, um reguläre Spiele austragen zu können.

Ein eifriger Mithelfer und Förderer für die Ausbreitung des Sports war der damalige Lehrer Leo Link. Bald nahmen sich auch einige ältere Männer dieser Sache an, als sie sahen, dass der Sport die Jugend mehr und mehr erfasste und nicht mehr wegzudenken war.

Nun war die Zeit gekommen, die Sporttreibenden in einem Verein zusammenzufassen. Im Sommer des Jahres 1930 wurde ein Aufruf erlassen, dass alle, die am Sport interessiert waren, sich zu einer Versammlung im Saale Bauer einfinden möchten. Lehrer Leo Link begrüßte ca. 50 erschienene Personen und leitete dann auch die Versammlung. Es standen eine Reihe organisatorischer Fragen zur Debatte: Die Wahl einer Vorstandschaft, die Namensgebung für den zu gründenden Verein und vor allem die Ausfindigmachung eines geeigneten Geländes zur Erstellung eines Sportplatzes.

In der vorgenommenen Wahl wurde das Amt des 1. Vorstandes Herrn Karl Schippler, das des 2. Vorstandes Herrn Otto Fath und das des Kassiers Herrn Adolf Bachmann übertragen.

Eine rege Diskussion entstand um die Namensgebung. Die Jugend bestand darauf, als Vereinsname 1. FC Heimbuchenthal zu wählen. Da jedoch die ältere Generation der Gemeindebürger für das Fußballspielen keine allzu großen Sympathien aufbringen konnte, gegen das Turnen und andere Sportarten aber weniger Einwendungen vorzubringen hatte, gab man dem neu gegründeten Verein den Namen "Turn- und Sportverein Heimbuchenthal".

Hauptsächlich Lehrer Leo Link setzte sich dafür ein, dass größere Breitenarbeit im Sport betrieben werden sollte. Er unterwies auch künftig die Jugend im Turnen und in der Leichtathletik. Fast alle Anwesenden ließen sich als Mitglieder aufnehmen. Der Monatsbeitrag wurde für Erwachsene auf 50 Pfennig, für Jugendliche auf 20 Pfennig festgesetzt. Mit den besten Wünschen für die Zukunft wurde die Versammlung geschlossen.

Bei der nachfolgenden Werbung für den Verein konnten auch namhafte Persönlichkeiten der Gemeinde als Mitglieder aufgenommen werden, so auch der 1. Bürgermeister Konrad Goldhammer, der 2. Bürgermeister Florian Stenger, der Hauptlehrer Engelbert Jost und der Mühlenbesitzer Oskar Kullmann.

Um den Verein aufzubauen und den Spielbetrieb aufnehmen zu können, musste ein Gelände zur Anlegung eines Sportplatzes ausfindig gemacht werden. Dies war die schwerste Aufgabe für den jungen Verein, da in der damaligen Zeit die Landwirtschaft noch als Ernährungsgrundlage galt, war es unmöglich, von privater Seite ein Grundstück für diesen Zweck zu erwerben. Vorschläge wurden eingebracht und diskutiert. So kam einer von Th. Englert, Gastwirt in Heimathen. Er wollte eine Wiese unten am Waldrand zur Verfügung stellen. Das Gelände hatte ein regenbogenartiges Profil, so dass der Torwart von seinem Gegenüber nur den Kopf sehen konnte. Er verlangte 30,- RM Pacht, den Ertrag der Wiese. Sein geschäftlicher Vorteil betrug vielleicht das Zehnfache. Wir betrachteten dies als eine Übergangslösung und nahmen das Angebot an. Als Endlösung konnte aber nur ein gemeindeeigenes Grundstück in Frage kommen.

Maurermeister und 2. Bürgermeister Florian Stenger schlug das Gelände am Steinbruch vor, ich (Adolf Bachmann) regte an, den Sportplatz im Buchrain neben dem Feld zu bauen. Diese Vorhaben lösten in der ganzen Gemeinde rege Diskussion aus. Vor allem von geschäftlicher Seite war man besorgt um die Vor- und Nachteile, die die Verwirklichung dieser Pläne mit sich bringen könnten.

Der Plan von Florian Stenger war wegen der schwierigen Planierung nicht zu realisieren. Bei der Besichtigung am Buchrain mussten wir feststellen, dass das Gelände für die Länge eines Sportplatzes doch sehr stark abfiel. Ein Teilnehmer meinte, weiter unten, an der so genannten "Schinderskante" wäre es günstiger. So war es auch. Wir kamen einstimmig zu dem Beschluss, dass hier das günstigste Gelände vorhanden sei, um einen Sportplatz anzulegen. Der Verein stellte nun an die Gemeinde den Antrag, dieses Gelände zum Ausbau einer Sportanlage zur Verfügung zu stellen. Als Englert hörte, dass wir in Heimbuchenthal einen Platz anlegen wollten, machte er ein neues Angebot: Er wollte seine Wiese kostenlos zur Verfügung stellen und obendrein die Summe des genannten Pachtgeldes an den Verein zahlen. Da aber auch dieses Gelände noch ausbaubedürftig gewesen wäre und vor allem wegen der weiten Entfernung zum Ort, mussten wir sein Angebot ablehnen.

Die Verhandlungen mit dem Gemeinderat waren schwierig und dauerten länger als ein Jahr. Der Antrag musste ja auch von der Regierung und der Forstbehörde genehmigt werden. Einige Gemeinderäte waren strikt gegen die Abholzung und die Erstellung eines Sportplatzes. Viele Argumente brachten sie vor, um das Fußballspielen in Heimbuchenthal erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Eines Tages wurde die Vorstandschaft zu einer Gemeinderatssitzung geladen, um die Bedingung für die Bereitstellung des Geländes entgegenzunehmen. Unter anderem sollte eine Pacht von 70,- RM gezahlt werden, was umgerechnet dem Ertrag des Holzes entsprach. Weiter sollte der Verein für alle Eventualitäten haftbar gemacht werden können, wofür die Vorstandschaft mit ihrem Namen bürgen sollte. Wir argumentierten, dass der Sport doch allmählich auch auf die Dörfer übergehe und dass die Gemeinde den Platz unentgeltlich und ohne Bedingungen für die Jugend, besonders für die Schuljugend zur Verfügung stellen solle. Nach langem hin und her, in stürmischen, erregten Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinderäten, gelang es dem 1. Bürgermeister Goldhammer, die Freigabe des Geländes ohne Bedingungen für den Verein zu erreichen. Unterstützt wurde er dabei vom 2. Bürgermeister Florian Stenger, sowie den Gemeinderäten Oskar Kullmann und Otto Fath.

Im Winter 1931/32 war die Freigabe von den Behörden erreicht, das Holz konnte geschlagen werden. Es wurde errechnet, dass zur Planierung rund 3000 m³ Erdreich bewegt werden mussten. Zunächst glaubten wir, die Arbeiten in freiwilligem Einsatz durchführen zu können. Dies erwies sich aber bald als unmöglich. Die ersten Sorgen und Schwierigkeiten tauchten auf.

Ohne den großen persönlichen Einsatz von Lehrer Leo Link wäre die Weiterführung der Bauarbeiten wohl in Frage gestellt gewesen. In eigener Initiative nahm er Verhandlungen mit dem Arbeitsamt auf und erreichte, dass der Ausbau als Notstandsarbeit übernommen und bezuschusst wurde. Das Kulturamt stellte Rollwagen und Geleise zur Verfügung, die Arbeit begann.

Die Abwicklung der Finanzierung blieb in den Händen des Vereins. Als die erste wöchentliche Lohnzahlung getätigt war, waren die Barmittel des Vereins erschöpft. Es mussten noch zwei Lohnzahlungen getätigt werden, ehe die ersten Zuschussraten eingetroffen sein würden. Die Beschaffung des Geldes zur Überbrückung machte uns große Sorgen. Vom hiesigen Gesangsverein "Edelweiß" nahmen wir ein Darlehen von 300,- RM auf. Auch einige private „Gönner“ mussten in Anspruch genommen werden.

Der Zuschuss wurde wöchentlich von Herrn Link, der damals schon ein Motorrad besaß, beim Arbeitsamt abgeholt und an die Arbeiter ausgezahlt.

Im Juni 1932 waren die Planierungsarbeiten abgeschlossen. Die Kosten betrugen rund 3000,- RM, wovon das Arbeitsamt 2100,- RM als Zuschuss übernommen hatte. Der Verein musste 900,- RM aufbringen. Zum Vergleich sei bemerkt, dass der Wochenverdienst eines Arbeiters damals 20,- bis 24,- RM betrug.

Nun konnten die Vorbereitungen zur Einweihung getroffen werden. Die Vereine von Rück-Schippach und Elsenfeld trugen ein Werbespiel aus, anschließend war Festbetrieb auf dem Sportgelände. Es war ein heißer Julitag, die Ortsbewohner nahmen regen Anteil an der Feier. Auch alle Prominenz, Pfarrer, Lehrer, Bürgermeister und einige Räte waren vertreten.

Inzwischen hatten wir uns beim Bayerischen Fußballverband angemeldet, um an den Verbandsspielen teilnehmen zu können. Das erste Spiel wurde mit folgender Mannschaft bestritten:

Tor: Anton Bachmann
Verteidiger: Anton Fath, Adolf Fath
Läufer: Theodor Spieler, Florian Kroth, Franz Kessler
Sturm: Josef Fries, Franz Schreck, Heini Kessler, Josef Schulz, Oskar Brand

Für den jungen Verein war es nicht leicht, sich unter den älteren Vereinen dieser Gruppe zu behaupten. Die Gegner waren unter anderem: TV Aschaffenburg, Gailbach, Kleinostheim, Dettingen, Großwelzheim und Unterafferbach. Nur Mespelbrunn, der große Nachbarrivale, wie wir im Aufbau begriffen, war für uns ein gleichwertiger Gegner.

Der politische Umsturz im Jahre 1933 wirkte sich auf das Vereinsleben ungünstig aus. Die Jugend wurde von den nationalen Verbänden erfasst und auch beansprucht. Dadurch verloren wir Spieler und mussten ab 1934 auswärtige Spieler in unsere Mannschaft einbauen. Aus Mespelbrunn, das seinen Spielbetrieb eingestellt hatte, kamen K. Heilig und K. Oberle, ein weiterer "Gastspieler" kam aus Haibach.

Als 1935 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde und die meisten Spieler zur Wehrmacht oder zum Arbeitsdienst eingezogen waren, konnten wir den Spielbetrieb nicht mehr aufrechterhalten und meldeten unsere Mannschaft ab.

Der Sportplatz wurde aber auch in dieser "mannschaftslosen" Zeit oft zum Mittelpunkt verschiedener Veranstaltungen. Es waren vor allem Schülerwettkämpfe mit den umliegenden Ortschaften, Aufführungen der Verbände, oder es rollte der Fußball bei improvisierten Spielen.

Da die Unterlagen über die Entstehung und Gründung des Vereins in den Nachkriegsjahren verloren gingen, zeichne ich die Gründungsgeschichte, an der ich selbst mitgewirkt habe, wahrheitsgetreu zur Information für nachfolgende Generationen wieder auf.


Adolf Bachmann

Publiziert am: Montag, 16. November 2009 (568 mal gelesen)
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